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Zehn Züge - einer schöner als der andere


Zehntausende von Jecken jubelten zwischen Weiberfastnacht und Veilchendienstag den zehn Karnevalszügen im Bornheimer Stadtgebiet zu. Abgesehen von ein paar kleineren Schauern konnten die Narren zusammen mit den Zuschauern bei gutem Wetter die Höhepunkte des Karnevals im Vorgebirge und am Rhein feiern. Es waren würdevolle Schlusspunkte einer kurzen, aber knackigen Session, die allen Beteiligten viel Spaß bereitete.
Sechtem. Traditionell startete der Straßenkarneval mit dem Kinderkarnevalszug in Sechtem, diese Session bereits zum 25. Mal. Über 500 Teilnehmer, davon fast die Hälfte Kinder, sorgten unter dem Motto "Selverhuhzigg fiere mer hügg und luure op 25 Zösch zoröck" am 3. Februar für einen Auftakt nach Maß. Das waren fast 100 aktive Jecken mehr als 2017. Erstmals waren der Kindergarten "Klapperschuh" und die Sambagruppe "Sambastico-Bornheim" dabei. Mario Wiesner, seit etwas mehr als einem Jahr Vorsitzender des veranstaltenden "Verein Kinderkarneval Sechtem 1994", führte den Zug zum ersten Mal an. Beim vorherigen Prinzenempfang, der souverän vom 2. Vorsitzenden Thomas Beckenhusen moderiert wurde, wurden Jupp Buchholz und Dieter Paschmanns "in Dankbarkeit und Anerkennung für ihre großen Verdiente" zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Dort wurde auch bekannt, dass Hanna Zimmermann (10), die Cousine der Alfterer Kinderalfreda Luise I. (Fritzen), aller Voraussicht nach in der Session 2018/19 die Sechtemer Narren regieren wird. Ob allein oder mit einem Kinderprinzen, ist noch nicht abschließend geklärt.
Roisdorf. Wieverfastelovend war der Tag der Roisdorfer Prinzessin Doris I. (Mahlberg). Schon beim Rathaussturm und dem anschließenden Karnevalsempfang lief die allseits beliebte Prinzessin zur Höchstform auf. Ihr Motto "Mir jehüre zesamme, ejal ob en Roisdorf oder der ganzen Welt, mir fieren Fastelovend, so wie et os jefällt" setzten die 32 Fußgruppen und Festwagen kongenial um. Die KG Vorgebirgsterne feierte "4x11 Jahre gelebtes Brauchtum", die Heimatfreunde Roisdorf boten Insekten ein Zuhause, den Quellentigern war egal, "ob zu Foos, im Flieger oder om Pääd - (Bad) Roisdorf ist immer eine Reise wert" und für die Gruppe Girlpower ist "Roisdorf die geilste Galaxie", um nur einige der mit viel Liebe und Kreativität kreierten jecken Gruppen zu nennen. Nach verregneten Zügen in den vergangenen zwei Jahren spielte heuer auch das Wetter mit. Und so strahlte eine Kamelle, Strüßjer und andere Materialien werfende Doris I. von ihrem Prunkwagen mit den vergnügten Jecken am Wegesrand um die Wette. Zugleiter Wolfgang Mertgen lobte am Tag danach, dass das von der Stadt verhängte Glasverbot sich ausgesprochen positiv ausgewirkt habe und deshalb unbedingt in den kommenden Sessionen fortgesetzt werden solle.
Kardorf. Ebenfalls an Weiberfastnacht treckte der diesjährige Karnevalszug auf einem neuen Zugweg durch Kardorf. Das Motto "2.000 Kardebe han jetz Spass, dröm weed d"r Zochwäch anjepass" zielte darauf ab, dass der Vorgebirgsort seit dem Bezug des Neubaugebietes "Blumengarten" nun zum "Club der 2.000er" (Einwohner) gehört. Um die Neubürger gut in das karnevalistische Geschehen einzubinden, zogen die 30 Gruppen mit rund 500 Teilnehmern gleich zu Beginn durch den "Blumengarten von Montana". Auch die aufgrund von Straßen- und Kanalbauarbeiten schwierige Verkehrssituation war ein Topthema: "Us jeht es op de Nuss, wie de in Kardörp fahre muss". Jede Menge Schmetterlinge, Glückspilze, Sonnen und Rockstars boten ein buntes Bild. Die Funken und Füncken Rot-Weiß Kardorf feierten ihr 20-jähriges Bestehen. Der Männergesangverein war wie immer "mit Feuer und Flamme" dabei und bildete traditionell mit seinem Festwagen wieder den Abschluss des bunten Zuges.
Hemmerich/Rösberg. "Die Ritter us de Runkelsjass" waren die Hauptattraktion des wie immer kleinen, aber feinen Zuges, der sich seinen Weg von Rösberg nach Hemmerich bahnte und in einer langen After-Zoch-Party im Festzelt auf dem alten Schulhof endete. Christoph Eichen, Alexander Ihde und Walter Berchtold begeisterten als Ritter auf modernem Gefährt die Jecken so sehr, dass ihre Gruppe als beste Gruppe ausgezeichnet wurde, gefolgt von "Girl Power Hemmerich" und den Naturentdeckern des Kindergartens "Spatz". Noch wichtiger ist, dass diese drei als Prinz Chris I., Bauer Paul und Jungfrau Walti in der Session 2018/19 das Dreigestirn Hemmerich/Rösberg sein werden. Wer die drei kennt, weiß, dass das jecke Treiben in den beiden Höhenorten unter ihrer Regentschaft neue Dimensionen erreichen wird. Insgesamt zogen über 20 Gruppen von Rösberg nach Hemmerich, darunter neben den bereits genannten die Kita Burgwiese, die Messdiener, die Malteser Jugend, das Damenkomitee Hemmerich und der TTC Rösberg, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern kann.
Waldorf. 15 Fußgruppen, 8 Motivwagen und 3 Musikkapellen verzückten am Karnevalssamstag die Jecken aus nah und fern in Waldorfs Straßen. 480 aktive Zugteilnehmer, davon 70 unter 16 Jahren, mit einer strahlenden Prinzessin Julia I. (Preiß) sorgten für ein närrisches Feeling, das den Waldorfer Kinderkarnevalszug Jahr für Jahr auszeichnet. Julias Motto "Statt subtrahiere und addiere dun mir Fastelovend fiere" ließ die jecken Herzen höher schlagen. Echte Hingucker waren unter anderem die Footballer des Bauernstammtisches, die Waldorfer Jugend, die Dersdorfer Piraten, die Chaos Queens und die "Helden aus dem Vorgebirge". Der TSC Rot-Weiß Waldorf begleitete wiederum den Prunkwagen von Julia I. Die größten Gruppen waren die von Ex-Prinzessin Annika I. (Kluth) mit ihrem Gefolge Esselsjässje und dem FC Hätzbloot sowie die "Piraten" (Kinder, Erzieher und Eltern) der Kita "Flora". 30 Wagenengel und rund weitere 25 ehrenamtliche Helfer sorgten dafür, dass der Zug reibungslos über die Bühne gehen konnte.
Widdig. "Widdiger Rheinperlen", "Familienglück", "Kallenputzer", "Hexen vom Ringberch", "Ahle Rumtörtche", "Drieß ob de Kall" oder gar "Endlich normale Leute" - wenn man diese Namen liest, weiß man: Es ist Straßenkarneval in Widdig, der selbsternannten "Perle am Rhein". Aber nicht nur die Gruppennamen sind speziell, auch die jeweiligen Motive sind sehenswert. Echte Hingucker waren sicherlich "Das Traumschiff zu Gast in Widdig" und die "1. Widdiger Strandbar", aber auch die Indianer mit ihren Squaws und den Cowboys und Cowgirls der Gruppe Bachmann-Niermann ließen es unter ihrem Motto "Wild Widdig" richtig krachen und "kaperten" kurzfristig sogar ein Polizeifahrzeug. Höhepunkt war aber das Kinderprinzenpaar Lukas I. (Velten) und Eva I. (Rüthing), das von Wilfried Hambach, dem Vorsitzenden des Verein Widdiger Karneval, den goldenen Stadtschlüssel überreicht bekam und diesen stolz über die jecken Häupter am Straßenrand schwenkten. "Mir Perle vom Rhing, fiere met Hätz un Sonnesching" - dieses Motto verkörperten die beiden aufs Beste. Nach dem Zug wurde kräftig im Festzelt weiter gefeiert. Hambach und Zugleiter Friedel Emmerich waren zurecht mehr als zufrieden mit diesem närrischen Tag im Rheinort.
Hersel/Uedorf. Unter der bewährten Zugleitung von Jürgen Morche und Gabi Voosen machten sich 10 Prunk- und Mottowagen, 18 Fußgruppen, 5 Musikkapellen sowie 4 Begleit- und Sicherungsfahrzeuge auf dem Weg von Uedorf nach Hersel. Das Tambourcorps "Gnadenlos Taktlooos" marschierte an der Spitze, gefolgt von den Germania Funken und den Lustigen Germanias vom und mit dem Tambourcorps Germania Hersel. Die "Mädche von Widdig" waren ebenso dabei wie Kambeck"s Family. Wilde Tiere präsentierte der Männerverein "Einigkeit", während die Veedelspänz eine Fiesta feierten. Dass der Fischereiverein Spaß beim Angeln hat, verwunderte ebenso wenig wie die "Herseler Familien & Freunde", die Getränke aus der Hexenküche boten. Anlässlich der 875-jährigen urkundlichen Ersterwähnung Uedorfs hatte dessen Ortsausschuss, der erstmals dabei war, rund 80 Mitgänger gewinnen können. Zum ersten Mal war auch Muehlens Autolackdesign mit einer buntglitzernden Truppe dabei, nicht zu vergessen der "Zirkus Turni" des Turnvereins und das Ex-Dreigestirn Prinz Jan I. (Valentini-Stengert), Bauer Heijo (Heinz-Josef Müsseler) und Jungfrau Nobsi (Norbert Wrobel). Den krönenden Schluss bildete das Prinzenpaar der Bonner Werkstätten, Uwe I. (Viernich) und Julia I. (Lelleck).
Bornheim-Ort. 30 Gruppen mit rund 600 Teilnehmern bildeten einen närrischen Lindwurm, der mehrere Stunden durch den Ort zog. Frederik Keller, seit dem Frühjahr Vorsitzender des Ortsauschusses und erstmals Zugleiter, hatte alle Hände voll zu. Er meisterte diese Aufgabe souverän, so dass alles reibungslos klappte. Da marschierten die Piraten des SG Sechtem, wie jedes Jahr mit einer großen Gruppe nebst Mottowagen unterwegs, ebenso wie die vor Kraft strotzenden "Popeyes" der Alten Herren des SSV Bornheim, die mit 51 Mitgliedern größte Gruppe, durch die von Jecken dicht gesäumten Straßen. Die schärfsten Köche Bornheims, die "Funnys", ließen nichts anbrennen und die Gruppe "Eene fählt imme", die zum 30. Mal im Zug mitging, faszinierte in selbst fabrizierten Waschmaschinen-Kostümen ebenso wie bayerisch gewandeten Buam und Madln der JGV "Gemütlichkeit" Brenig. Beim vorherigen Prinzenempfang in der Gaststätte "Zum letzten Groschen" übergaben die Tollitäten und Repräsentanten der Ortsausschüsse die beim 50. Tollitätenempfang der Stadt gesammelten 1.030,00 Euro an die Bornheimer Bürgerstiftung "Unsere Kinder - Unsere Zukunft".
Walberberg. Am Rosenmontag feierten die Jecken ausgelassen im nördlichsten Vorgebirgsort. Veranstaltet von der Vereinsgemeinschaft Walberberg machten sich 24 Gruppen mit 400 Jecken auf den Weg durch die jubelnden närrischen Massen. Angeführt vom Tanzcorps Rot-Weiß Hemmerich und dem Spielmannszug Wilster waren blaue Schlümpfe, grüne Kakteen, gelbe Minions, Zwerge, Piraten und Clowns zu sehen. Berge Bienen, Jecke Höhner, KC Ahl Säu, Chaos Camper, Junge Jecke, Spaßvögel, Pappnasen, KC Dream Team waren nur einige der Gruppen, die einen wahren Kamelleregen auf die Zuschauer niedergehen ließen. Die größten Gruppen stellten die Jecke Berge Familich, der Katholische Kindergarten, der Junggesellenverein, die Feuerwehr und "An der Bonnstraße und Freunde". Die Pfadfinder wiesen auf ihr 55-jähriges Bestehen hin. Ausgiebig gefeiert wurde während und nach dem Zug in den Höfen am Zugweg und in den anliegenden Gasthäusern.
Merten. Als in der Perle des Vorgebirges am Veilchendienstag der letzte Zug im Bornheimer Stadtgebiet startete, lachte die Sonne, dass es eine Pracht war. Und das gönnte jeder den Mertener Jecken, deren Züge 2016 und 2017 am meisten unter Regen zu leiden hatten. Prinz Günter II. (Engels) und Prinzessin Sabine I. (Meyer) genossen das Spektakel, Ihre überbordende Freude und Herzlichkeit übertrug sich auf die anderen Zugteilnehmer und Zuschauer gleichermaßen. Der größte närrische Lindwurm im Stadtgebiet glänzte mit einer faszinierenden Kreativität, Spontanität und Vielfalt der fast 850 Teilnehmer und der 16 Motivwagen, nicht zu vergessen das Repertoire der 5 Musikzüge. Die größten Gruppen stellten die Heinrich-Böll-Sekundarschule, die "Karnevalsfreunde Merten" und die Feuerwehr mit jeweils 50 Teilnehmer oder mehr. Erstmals dabei war das Seniorenheim Sankt Elisabeth mit seinem "Salto Mortale für Junge un Ahle". Es war erneut ein würdiger Abschluss des Bornheimer Straßenkarnevals, der Vorfreude auf die kommende Session machte. Seine Tollität Günter II. dankte beim vorhergehenden Prinzenempfang ausdrücklich allen, die sich ehrenamtlich in ganz Bornheim für das Kulturgut "Vorgebirgskarneval" engagieren: "Ohne Euch gäbe es dieses unverzichtbare Brauchtum nicht mehr und die Welt, zumindest im Vorgebirge, wäre ärmer." (WDK)

Wir Bornheimer, 3. März 2018

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