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Ein besonderer Botschafter für Troisdorf


Hanno Rheineck hat fast alle Länder der Erde "erlaufen" - In Kürze wird er 75 Jahre alt


(wed) Wer die Wohnung von Hanno Rheineck betritt, der sieht gleich auf einer Flurwand eine Weltkarte, die mit kleinen Nadeln mit bunten Köpfen bestückt ist; aber nicht hier und dort mal, vielmehr sieht die Karte aus wie ein Nagelbrett eines indischen Fakirs. Und jede einzelne Nadel markiert einen Ort rund um den Globus, in dem Rheineck schon gelaufen ist. "Ich sammle Länder", sagt der fast 75-jährige Troisdorfer über sich selber, dem beispielsweise noch Laos in seiner Sammlung fehlt. "Ein Start ist grundsätzlich sehr kostspielig, dafür fehlt mir ein Sponsor." Bisher zahlte er seine Reisen alle aus eigener Tasche. Aber auf 112 Länder hat er es dennoch bis jetzt schon gebracht.
Dabei schien sein Leben zunächst in "geordneten Bahnen" zu laufen. In Trier geboren, über Wuppertal dann nach Siegburg gekommen, wo er sein Abitur machte. Und er wurde Lehrer. Zum Laufsport war er schon vorher mehr durch Zufall gekommen. Einmal im Jahr war er schnellster bei den Bundesjugendspielen, und dann war wieder Pause bis zum nächsten Jahr. Bis ihn ein Schulkamerad anstachelte, doch einfach mal bei einem Wettkampf mitzumachen, "eine Bahn ist noch frei". Rheineck gewann den 100-Meter-Lauf in 12,3 Sekunden, ein Jahr später benötigte er nur noch 11,1 Sekunden, seine Bestzeit überhaupt liegt bei 10,5 Sekunden.
Durch den Erfolg angespornt, trainierte er nun regelmäßig, zunächst die 100-Meter, dann auch 200 und 400 Meter. 1962 erhielt er vom Leichtathletikverband Mittelrhein sogar eine Einladung zu einem Junioren-Vergleichskampf in Luxemburg. Der 100-Meter-Lauf und der 200-Meter-Staffelwettbewerb wurden gewonnen.
Er las zu der Zeit von Herbert Schade, dem deutschen Leichtathleten und Olympiamedaillengewinner, der in den 1950er Jahren zur Weltspitze im Langstreckenlauf gehörte und in fünf Erdteilen lief: "Wenn du das willst, schaffst du das auch". Und er schaffte es. Es gab Begegnungen mit dem finnischen Ausnahmeläufer Paavo Nurmi, der tschechischen Lokomotive Emil Ferdinand Zátopek, dem äthiopischen Laufwunder Haile Gebrselassie oder dem Deutschen Manfred Germar.
Bis zu seinem 45. Lebensjahr lief Rheineck über die Sprint-Distanzen. Diese Karriere wurde durch drei Operationen an der Achillessehne beendet. Fortan standen Strecken bis zum Halb-Marathon auf dem Plan.
Rheineck hielt zwei deutsche Rekorde in der Altersklasse M40 über 32 Jahre: Über 200 Meter lief er in Dortmund in 22,6 Sekunden und über 400 Meter auf dem Platz (in Sankt Augustin) in 49,6 Sekunden. Er war (in der Seniorenklasse) 19 Mal Deutscher Meister, dreimal Europameister und fünfmal Weltmeister. Jetzt noch im August 2017 holte er in Abidjan (Elfenbeinküste) den Titel des Afrikanischen Seniorenmeisters über 400 Meter.
Wer so viel unterwegs ist in der Welt, der hat neben den sportlichen auch viele soziale Begegnungen. "Es gibt viele langjährige Freundschaften", freut er sich immer noch. Beispielsweise über ein Buch für norwegische Schüler über Deutschland, wo er bei der Übersetzung intensiv beteiligt war. Seither hat er 17 Mal einen Schüleraustausch zwischen Norwegen und Deutschland begleitet. Hanno Rheineck ist seit 45 Jahren in Deutsch-Isländischen Gesellschaft aktiv und ist heute noch im Vorstand der Deutsch-Äthiopischen Gesellschaft.
Ein für ihn besonderes Erlebnis war 2015 der Besuch in Kingston, der Hauptstadt von Jamaika. Er hatte auch die Gelegenheit, das eigens für den Sprintstar Usain Bolt gebaute Stadion zu besuchen; der Athlet war leider nicht da. "Dennoch ein unvergessliches Erlebnis."
Auch in Deutschland war für den Sport aktiv: 54 Jahre Ehrenamt im Leichtathletik-Kreis Bonn/Rhein-Sieg, im Leichtathletik-Verband NRW und im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Und beim 1. FC Spich ist er Mitglied beim Lauftreff. Damit seine Kondition und seine Leistungsfähigkeit erhalten bleiben, läuft er jeden zweiten Tag zwischen 30 und 60 Minuten.
Und was macht der Sportler, wenn er nicht die großen Sportereignisse bereichert? Der geborene Trierer ist ehrenamtlich sehr viel unterwegs. Seit 21 Jahren im St. Josef Seniorenpflegeheim Haus zur Mühlen oder auch im St. Antonius-Haus in Siegburg und beim Katholischer Verein für soziale Dienste betreut er alte Menschen oder hält Vorlesestunden und singt mit Demenzerkrankten. Ach, ja: Pressesprecher beim MGV "Sängerbund" Sieglar 1872 e.V. ist er auch. Es ist schon etwas Besonderes, die Geschichte von Hanno Rheineck zu durchstreifen. Und bei all den zahlreichen und unterschiedlichen Aktivitäten wirkt der bald 75-Jährige eher zurückhaltend. Aber vielleicht muss man das auch bei einem derartigen Programm.
Wer lesen will, warum Rheineck in der internationalen Läuferliste auf Platz eins steht, und welche Länder in welchem Jahr bereist wurden, der findet alles auf www.laenderlaeufer.de und dort in der Bestenliste.

Rundblick Troisdorf, 14. Oktober 2017

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