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Schenkung an die Stadt Rösrath


Mary Bauermeister dreht die Deutschland-Fahne


Hocherfreut unterzeichneten Bürgermeister Marcus Mombauer und die Künstlerin und Ehrenbürgerin der Stadt Rösrath Mary Bauermeister die Schenkungsurkunde zum Kunstwerk "Umkehrung Deutschland-Flagge" vor rund 150 kunstinteressierten Gästen im Schloss Eulenbroich.
In ihrer bekannten "Pünktchentechnik" hat Mary Bauermeister mit Öl auf Leinwand die Farben Schwarz-Rot-Gold einfach umgedreht und sie von unten neu angeordnet. Ausgehend von der ursprünglichen Deutung der Fahne der Hambacher Demokratiebewegung 1832: "Von der Finsternis der Knechtschaft (schwarz), durch blutigen Kampf (rot) ins goldene Licht der Freiheit (gelb)", aktualisiert die Künstlerin ihre Interpretation: "Aus der Kraft der Erde (schwarz unten), durch die Macht der Liebe und Mitmenschlichkeit (rot) in das Licht der Transzendenz (gelb oben)."
Mary Bauermeister möchte so eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen lenken: "Es ist eine ästhetische und energetische Korrektur und ich habe die Hoffnung, dass Deutschland wieder ein Volk der Dichter, Denker und Künstler wird. Das würde Deutschland guttun." Dabei distanziert sich die 1934 in Frankfurt geborene Künstlerin auf jeden Fall von der "rechten Szene", denn es gehe ihr nicht um eine nationale Rückbesinnung.
Andere Exemplare dieses Werkes Art befinden sich bereits in Städten Wiesbaden, Weimar oder Bergisch Gladbach.
Bürgermeister Marcus Mombauer, zugleich Vorsitzender der Gesellschafterversammlung Schloss Eulenbroich GmbH, anlässlich der Unterzeichnung der Schenkungsurkunde zugunsten der Schloss Eulenbroich GmbH: "Besonders stolz bin ich, dass Mary Bauermeister als Weltbürgerin und damit auch als Bürgerin Rösraths eine der bedeutendsten bildenden Künstlerinnen Deutschlands ist. Vom Rheinland nach New York und zurück ins Rheinland führte ihre Karriere, die Sie auch künstlerisch immer neue Wege beschreiten ließ.Sei es die "Fluxus-Bewegung" in den Sechzigern oder die herrlichen Gärten, mit denen Sie die ödesten Innenhöfe in Märchenreiche verwandelte. Kunst wurde immer und besonders heute von Provokation begleitet. Die Kunstaktion "Umgekehrte Deutschland Fahne" ist auf ihre eigene Weise provokativ. Mary bleibt immer im Dialog mit der Umgebung, reagiert sensibel auf äußere Einflüsse, die sie im Selbsterkenntnisprozess verarbeitet. Als Rösrather sagen wir heute Danke für das großartige Geschenk der umgekehrten Deutschland Fahne. Mary Bauermeister ist mit ihrer Kraft und Erfahrung immer zum Einsatz bereit, hilft, berät, ist einfach mitten dabei, wenn es gilt, die Kulturszene der Stadt zu bereichern. Ein Zitat aus ihrem "Sizilianischen Tagebuch" von 1978 lautet: "Warum erfassen wir das Heute erst immer, wenn es im Morgen als Erinnerung uns anhaucht?"
Marc Schönberger bedankte sich in seinen Erläuterungen für den Einsatz von Gabriele Gemein von "Rösrath wird zur Galerie" zur Verwirklichung der Schenkung. Er erläuterte weiter den interessanten Politischen Hintergrund des Fahnenprojektes von Mary Bauermeister: "Die Flagge der Bundesrepublik Deutschland ist gemäß Art. 22 II GG "Schwarz-Rot-Gold". Aber der eine oder die andere haben sich vielleicht schon mal die Frage gestellt, warum das eigentlich so ist. Diese Farbgebung ist noch gar nicht so alt, verglichen mit anderen Nationalflaggen UND hat einen recht banalen Ursprung: Als viele junge Männer in den 1810-er-Jahren in die Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich zogen, mussten schnell und preiswert Uniformen her. Am simpelsten erwies es sich dabei, die ohnedies meist dunklen Jacken einheitlich schwarz zu färben, mit roten Paspeln zu versehen und die ohnedies häufig verwendeten Messingknöpfe einheitlich zu verwenden: Schwarz-Rot-Gold..... Gold damit übrigens in seiner ursprünglichen Farbqualität, denn heute ist das ursprüngliche Gold-wir leben ja in Deutschland mit klarer Regelungswut-gemäß Beschluss des Bundeskabinetts vom 2. Juni 1999 die RAL-Farbe 1021 "Rapsgelb".
In der Zeit nach den Befreiungskriegen wurden dann die ursprünglichen Uniformfarben Schwarz-Rot-Gold für die zurückkehrenden Kämpfer zu einem Symbol für den Wunsch nach einem freien und geeinten Deutschland und so wählten die elf Studenten, die im Juni 1815 die Jenaer Urburschenschaft gründeten, für ihre Fahne die Uniformfarben, in denen sie fast alle gegen Napoleon mitgekämpft hatten: Schwarzer Uniformstoff mit roten Vorstößen und goldfarbenen Knöpfen. Bemerkenswert: Die Burschenschaft war damals noch die Speerspitze des Fortschritts, nicht dessen Nachhut. Für das Hambacher Fest im Mai 1832 wurden dann erstmals Fahnen aus gleich breiten Stoffbahnen in diesen Farben genäht, die sich im Zusammenhang mit der Burschenschaftsbewegung weit verbreitet hatten. Allerdings waren die Fahnen auf dem Hambacher Schloss noch mehrheitlich in der burschenschaftlichen Reihenfolge "schwarz-rot-gold von unten" zu sehen. Auch dieses Kunstprojekt ist in das Projekt "Rösrath wird zur Galerie" eingebettet. Der Katalog zum Gesamtprojekt ist auch weiterhin erhältlich. Bis auf einige wenige stehen noch fast alle dort beschriebenen Kunstwerke. Wir führen das Projekt weiter und es sind bereits zehn neue Kunstwerke aufgestellt worden, bzw. in Arbeit. Eines davon ist Marys Flagge."
Die Kölner Kunstverständige Birgit Lloyd-Jones skizzierte den künstlerischen Lebensweg Mary Bauermeisters. Dabei ging sie auch auf die 1960er Jahre ein, in denen Bauermeister in der aufrührerischen Antikunstbewegung "Fluxus" in New York/USA aktiv war. In Ihrem späteren "Fluxus-Atelier" in Köln sei es ihr wichtig gewesen, Kunst für jedermann zugänglich zu machen.
Die Feierstunde wurde umrahmt von Musik des Flötisten Michael Faust sowie einer vielbeklatschten Tanzvorführung der Tänzerinnen Desiré Dahlhof, Emilia Kobas und Nicola Voss von der Ballettschule Bjerke zu sphärischen Klängen des isländischen Komponisten Olafur Arnalds.
(eg/mm/ms/mrs)

Rundblick Rösrath, 17. Februar 2017

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